Honigbienen ernähren sich ausschließlich pflanzlich von zwei Hauptquellen: Nektar als Energielieferant und Pollen als Eiweißquelle für Wachstum und Brutpflege. Beide Rohstoffe verarbeiten die Bienen im Stock weiter zu Honig und dem sogenannten Bienenbrot, um sie haltbar zu machen und über schlechte Zeiten zu retten.
Das Wichtigste in Kürze
- Bienen ernähren sich hauptsächlich von Nektar (Energie) und Pollen (Eiweiß), ergänzt durch Honigtau und Wasser.
- Pro Sammelflug trägt eine Biene maximal etwa 20 Milligramm Pollen an den Hinterbeinen zum Stock.
- Für die Aufzucht der Brut ist Pollen unverzichtbar, ein Mangel senkt die Lebenserwartung der Jungbienen deutlich.
- Ein Bienenvolk in Deutschland benötigt für die Überwinterung je nach Beutensystem 15 bis 22 Kilogramm eingelagertes Futter.
- Imker füttern im Spätsommer meist Zuckerwasser im Verhältnis 3:2 (drei Teile Zucker, zwei Teile Wasser) als Ersatz für entnommenen Honig.
- Aus Pollen, Speichel und Enzymen stellen Bienen das sogenannte Bienenbrot her, das als Hauptnahrung für die Brutpflege dient.
Nektar als Energiequelle
Nektar ist eine zuckerhaltige Flüssigkeit, die Blütenpflanzen absondern, um Insekten zur Bestäubung anzulocken, und bildet die Hauptquelle für den Energiebedarf des gesamten Bienenvolkes. Sammelbienen nehmen den Nektar über ihren Saugrüssel auf und transportieren ihn im sogenannten Honigmagen zurück zum Stock, wo er von anderen Arbeiterinnen weiterverarbeitet wird. Durch wiederholtes Umlagern zwischen verschiedenen Bienen, Zusatz von Enzymen und schließlich Verdunstung von Wasser wird der ursprünglich wässrige Nektar zu dickflüssigem, lagerfähigem Honig eingedickt.
Dieser Honig dient dem Volk primär als Kohlenhydratquelle für die tägliche Energieversorgung, insbesondere für die Muskelarbeit beim Fliegen und für die Wärmeerzeugung im Winter. Neben dem Nektar von Blüten sammeln Bienen zudem Honigtau, ein zuckerhaltiges Ausscheidungsprodukt von Blattläusen auf Bäumen, das im Spätsommer die Grundlage für den in Deutschland beliebten Waldhonig bildet.
Pollen als Eiweißquelle
Während Nektar vor allem Energie liefert, ist Pollen für die Bienen die entscheidende Eiweißquelle und damit unersetzlich für Wachstum, Zellaufbau und die Aufzucht von Nachwuchs. Sammelbienen kämmen den Blütenstaub mit ihren Beinen zusammen und pressen ihn zu kleinen Klümpchen an den Hinterbeinen, den sogenannten Pollenhöschen, wobei ein einzelner Sammelflug maximal etwa 20 Milligramm Pollen einbringt.
Im Stock verarbeiten Ammenbienen den frischen Pollen gemeinsam mit Speichel, Enzymen und etwas Nektar zu einem fermentierten Produkt, das als Bienenbrot oder Perga bezeichnet wird. Dieses Bienenbrot ist deutlich länger haltbar als roher Pollen und dient als Hauptnahrung für die Aufzucht der Larven sowie für frisch geschlüpfte Jungbienen. Fehlt dem Volk ausreichend Pollen, etwa durch Trachtlücken im Frühsommer, sinkt die Lebenserwartung der Jungbienen erheblich und die allgemeine Anfälligkeit für Krankheiten wie die Nosematose steigt deutlich an.
Übersicht der wichtigsten Nahrungsquellen
| Nahrungsquelle | Hauptfunktion | Wichtige Inhaltsstoffe |
|---|---|---|
| Nektar | Energieversorgung, Honigproduktion | Zucker, Vitamine, Mineralstoffe |
| Pollen | Eiweißversorgung, Brutaufzucht | Proteine, Aminosäuren, Fette |
| Honigtau | Alternative Energiequelle im Spätsommer | Zucker, Mineralstoffe |
| Wasser | Verdauung, Kühlung des Stocks | – |
| Gelée Royale | Ausschließliche Nahrung der Königin/Larven | Proteine, Zucker, Vitamine |
Wasser als übersehene Ressource
Neben Nektar und Pollen benötigt ein Bienenvolk auch regelmäßig Wasser, das oft unterschätzt wird, obwohl es für mehrere lebenswichtige Prozesse notwendig ist. Bienen nutzen Wasser, um zu dickflüssigen Futtersaft für die Brut zu verdünnen, um Honig auf die richtige Konsistenz zu bringen und um im Sommer durch Verdunstung die Stocktemperatur bei den lebensnotwendigen etwa 35 Grad Celsius im Brutbereich zu regulieren.
Gerade in heißen, trockenen Sommern in Deutschland ist eine nahegelegene Wasserquelle für ein Bienenvolk fast genauso wichtig wie eine gute Trachtlage, weshalb viele Imker und Gartenbesitzer flache Wasserschalen mit kleinen Landeplätzen für Bienen aufstellen.
Wie Imker Bienen zufüttern
Da Imker dem Volk im Sommer einen Teil des selbst produzierten Honigs entnehmen, muss dieser Verlust vor dem Winter durch gezielte Zufütterung ausgeglichen werden, um ein sicheres Überwintern zu gewährleisten.
- Ab Mitte August beginnen, sobald die letzte Honigernte abgeschlossen ist, um den Bienen ausreichend Zeit zur Einlagerung zu geben.
- Zuckerwasser im Verhältnis 3:2 anrühren, also 3 Teile Zucker auf 2 Teile Wasser, als klassische Wintereinfütterungslösung.
- Die Futtermenge am Beutensystem ausrichten: Einzargige Völker benötigen mindestens 15 Kilogramm, zweizargige Völker 18 bis 22 Kilogramm eingelagertes Futter.
- Etwa das 1,2- bis 1,4-fache der gewünschten Endmenge anbieten, da nicht die gesamte gefütterte Menge tatsächlich eingelagert wird.
- Die Einfütterung bis Mitte September abschließen, damit die Bienen das Zuckerwasser noch ausreichend eindicken können, bevor die Temperaturen sinken.
Diese Wintereinfütterung ist besonders relevant im Zusammenhang mit der Einwinterung der Bienen insgesamt, da ein unzureichend versorgtes Volk die kalte Jahreszeit in Deutschland kaum überstehen kann.
Besondere Ernährung der Königin
Eine wichtige Ausnahme innerhalb des Bienenvolkes bildet die Bienenkönigin, die ihr gesamtes Leben lang praktisch ausschließlich mit Gelée Royale ernährt wird, einem hochkonzentrierten Futtersaft aus den Kopfdrüsen junger Ammenbienen. Dieser besonders eiweiß- und vitaminreiche Saft ermöglicht ihr die außergewöhnliche Legeleistung von bis zu 2.000 Eiern täglich in der Hochsaison, was ohne diese spezielle Ernährung biologisch nicht möglich wäre.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Nektar und Pollen?
Nektar ist eine zuckerhaltige Flüssigkeit, die den Bienen als Energiequelle dient und zu Honig verarbeitet wird. Pollen liefert dagegen vor allem Eiweiß, Fette und Vitamine und ist unverzichtbar für die Aufzucht der Brut.
Wie viel Futter braucht ein Bienenvolk im Winter?
Je nach verwendetem Beutensystem benötigt ein Bienenvolk in Deutschland zwischen 15 und 22 Kilogramm eingelagertes Winterfutter. Weniger als 6 Kilogramm gelten als kritische Untergrenze, unterhalb der ein Volk zu hungern beginnt.
Warum füttern Imker Zuckerwasser statt Honig zu lassen?
Da Imker im Sommer einen Teil des Honigs zur eigenen Nutzung entnehmen, muss dieser Verlust ausgeglichen werden, damit das Volk ausreichend Wintervorrat besitzt. Zuckerwasser im Verhältnis 3:2 ist dabei eine kostengünstige und bienenverträgliche Alternative zum entnommenen Honig.
Was ist Bienenbrot?
Bienenbrot, auch Perga genannt, entsteht durch Fermentation von Pollen mit Speichel, Enzymen und etwas Nektar und dient als länger haltbare Eiweißnahrung. Es ist die Hauptnahrungsquelle für die Aufzucht von Larven und frisch geschlüpften Jungbienen.
Was fressen Wildbienen im Gegensatz zu Honigbienen?
Wildbienen ernähren sich ebenfalls von Nektar und Pollen, versorgen ihre Larven jedoch meist ausschließlich mit Pollen, ohne diesen wie Honigbienen in großem Maßstab zu Honig zu verarbeiten. Viele der über 580 Wildbienenarten in Deutschland sind zudem auf ganz bestimmte Pflanzenarten spezialisiert.
Warum ist Wasser für Bienen wichtig?
Bienen benötigen Wasser, um Futtersaft zu verdünnen, Honig auf die richtige Konsistenz zu bringen und die Stocktemperatur im Sommer durch Verdunstung zu regulieren. Besonders an heißen Tagen fliegen Sammelbienen gezielt Wasserstellen an, um diesen Bedarf zu decken.