Bienen schlafen tatsächlich, auch wenn ihr Ruheverhalten sich deutlich vom menschlichen Schlaf unterscheidet und je nach Alter und Aufgabe im Volk stark variiert. Forscher der Universität Würzburg konnten mithilfe von Kamerasystemen im Bienenstock erstmals detailliert nachweisen, wo und wie lange einzelne Bienen tatsächlich ruhen.
Das Wichtigste in Kürze
- Sammelbienen schlafen durchschnittlich 5 bis 8 Stunden pro Tag, überwiegend nachts mit klarem Tag-Nacht-Rhythmus.
- Junge Innendienstbienen verteilen ihren Schlaf auf mehrere kurze Phasen über den ganzen Tag, ohne festen Rhythmus.
- Schlafende Bienen erkennt man am hängenden Hinterleib, ruhenden Fühlern und einer leicht abgesenkten Körpertemperatur.
- Sammelbienen schlafen meist außerhalb der Zellen am Rand der Waben, junge Bienen dagegen in leeren Zellen nahe dem Brutbereich.
- Forscher entdeckten eine besondere Schlafhaltung, bei der Bienen sich zwischen zwei Waben einklemmen und bis zu 30 Minuten regungslos verharren.
- Auch die Bienenkönigin schläft, wechselt dabei aber ständig kurze Ruhe- und Wachphasen ab, während sie durchgehend Eier legt.
Woran man eine schlafende Biene erkennt
Da Bienen keine Augenlider besitzen und ihre Facettenaugen nicht schließen können, ist es für Laien schwierig, Schlaf von bloßem Stillstand zu unterscheiden. Wissenschaftler identifizieren den Bienenschlaf daher anhand mehrerer klarer körperlicher Merkmale, die sich deutlich vom Wachzustand abgrenzen. Eine ruhende Biene lässt ihren Körper der Schwerkraft folgend absinken, die Fühler hängen entspannt herab und bewegen sich im Tiefschlaf über längere Zeit gar nicht mehr.
Zusätzlich sinkt während dieser Ruhephasen die Körpertemperatur leicht ab, da im Schlaf weniger Muskelaktivität und damit weniger Wärmeproduktion stattfindet. Ein weiteres verlässliches Anzeichen ist die Bewegung des Hinterleibs: Wippt dieser regelmäßig auf und ab, versorgt sich die Biene aktiv mit Sauerstoff und ist wach, bleibt er dagegen ruhig, befindet sich die Biene in einer Ruhe- oder Schlafphase.
Unterschiedliches Schlafverhalten je nach Alter
Eine Studie der Universität Würzburg unter der Leitung von Jürgen Tautz zeigte, dass sich das Schlafverhalten von Bienen grundlegend mit ihrer Rolle im Volk verändert. Junge Arbeiterinnen, die noch im Innendienst tätig sind, schlafen bevorzugt in leeren Wabenzellen nahe dem Zentrum des Stocks, meist direkt im Brutbereich. Ihr Schlaf verteilt sich dabei auf zahlreiche kurze Phasen über den gesamten Tag- und Nachtverlauf, ohne einen erkennbaren festen Rhythmus.
Sobald diese Bienen jedoch vom Innen- zum Außendienst wechseln und zu Sammelbienen werden, verändert sich ihr Schlafverhalten spürbar. Ältere Sammelbienen entwickeln einen klaren Tag-Nacht-Rhythmus, schlafen fast ausschließlich während der Nachtstunden und suchen sich dafür Plätze außerhalb der Zellen, näher am kühleren Rand der Waben.
Übersicht der Schlafgewohnheiten nach Bienentyp
| Bienentyp | Schlafdauer pro Tag | Bevorzugter Schlafort | Rhythmus |
|---|---|---|---|
| Junge Innendienstbiene | Mehrere kurze Phasen, verteilt | Leere Zellen im Zentrum, nahe Brut | Kein fester Tag-Nacht-Rhythmus |
| Sammelbiene | 5–8 Stunden | Außerhalb der Zellen, am Wabenrand | Klarer Tag-Nacht-Rhythmus |
| Königin | Kurze, wiederholte Ruhephasen | Direkt im Brutbereich | Kein klassischer Rhythmus, durchgehende Eiablage |
Die besondere Schlafhaltung im Stock
Mithilfe eines automatisierten Kamerasystems, das kontinuierlich Aufnahmen aus dem Inneren eines Bienenstocks lieferte, entdeckten Forscher eine bislang unbekannte Schlafposition bei Honigbienen. Dabei klemmen sich die Tiere mit Kopf und Hinterleibsende zwischen zwei benachbarten Waben ein und lassen Fühler und Beine völlig entspannt herabhängen. In dieser eingeklemmten Position können Bienen bis zu 30 Minuten lang vollständig regungslos verharren, offenbar ohne dabei aus dem Gleichgewicht zu geraten.
Außerhalb dieser besonderen Haltung bleiben schlafende Bienen meist einfach auf der Wabe sitzen und lassen ihre Fühler passiv hängen, was auf den ersten Blick kaum von einer kurzen Ruhepause zu unterscheiden ist.
Warum Bienenschlaf für das Volk wichtig ist
Auch wenn ausreichender Schlaf beim Menschen vor allem mit Erholung und Gedächtnisbildung in Verbindung gebracht wird, deuten neuere Forschungsergebnisse darauf hin, dass ähnliche Prozesse auch bei Bienen ablaufen. Untersuchungen der Gehirnaktivität während der nächtlichen Ruhephasen zeigen charakteristische Veränderungen in der neuronalen Vernetzung, die denen schlafbezogener Prozesse bei Wirbeltieren ähneln.
Schlafmangel scheint sich bei Bienen ähnlich negativ auszuwirken wie bei anderen Tieren: Experimentell schlafentzogene Sammelbienen zeigten in Studien deutliche Schwächen bei der Kommunikation über den Schwänzeltanz und übermittelten ungenauere Informationen zu Richtung und Entfernung von Futterquellen. Ausreichender Schlaf ist somit nicht nur für die einzelne Biene, sondern auch für die effiziente Zusammenarbeit im gesamten Bienenvolk relevant.
Was Imker über den Bienenschlaf wissen sollten
Für die praktische Imkerei in Deutschland hat das Wissen um Schlafphasen zwar keine unmittelbare Konsequenz für die tägliche Bienenhaltung, erklärt aber, warum ein Volk auch nachts nie vollständig ruhig ist. Während schlafende Bienen an den Wabenrändern liegen, bleibt im Zentrum des Stocks durch die kontinuierliche Brutpflege und die Versorgung der Königin rund um die Uhr Aktivität bestehen, unabhängig von der Tageszeit außerhalb des Stocks.
Wer nachts das leise Summen an einem Bienenstock wahrnimmt, hört daher meist die aktiven Innendienstbienen bei der Brutpflege, während ein Teil der Sammelbienen zur gleichen Zeit tief in ihrer nächtlichen Ruhephase liegt.
Häufig gestellte Fragen
Schlafen Bienen wirklich?
Ja, Bienen zeigen ein Ruheverhalten, das den charakteristischen Merkmalen von Schlaf bei Wirbeltieren sehr ähnlich ist, einschließlich reduzierter Muskelspannung und gesenkter Reaktionsschwelle. Wissenschaftler stufen dieses Verhalten deshalb als echten Schlaf und nicht nur als Bewegungslosigkeit ein.
Wie lange schlafen Bienen pro Tag?
Sammelbienen kommen auf etwa 5 bis 8 Stunden Schlaf pro Tag, meist konzentriert auf die Nachtstunden. Junge Innendienstbienen verteilen ihre Ruhephasen dagegen über den gesamten Tag- und Nachtverlauf in kürzeren Abschnitten.
Wo schlafen Bienen im Bienenstock?
Junge Arbeiterinnen schlafen bevorzugt in leeren Zellen nahe dem Zentrum des Stocks im Brutbereich, während ältere Sammelbienen außerhalb der Zellen näher am Rand der Waben ruhen. Diese unterschiedlichen Schlafplätze hängen mit der jeweiligen Betriebsamkeit in den verschiedenen Stockbereichen zusammen.
Schläft die Bienenkönigin auch?
Ja, auch die Königin schläft, allerdings in Form kurzer, wiederkehrender Ruhephasen zwischen ihren Aktivitäten der Eiablage. Ein klassischer, ununterbrochener Nachtschlaf wie bei Sammelbienen findet bei ihr nicht statt.
Woran erkennt man, ob eine Biene schläft?
Typische Anzeichen sind ein herabhängender Körper, ruhende Fühler und ein nicht wippender Hinterleib, da schlafende Bienen weniger Sauerstoff benötigen. Auch eine leicht gesenkte Körpertemperatur gegenüber wachen Nachbarbienen deutet auf eine Schlafphase hin.
Gibt es eine besondere Schlafposition bei Bienen?
Ja, Forscher entdeckten eine Haltung, bei der sich Bienen mit Kopf und Hinterleibsende zwischen zwei Waben einklemmen und dabei Fühler und Beine entspannt hängen lassen. In dieser Position können sie bis zu 30 Minuten vollkommen regungslos verharren.