Wie kommunizieren Bienen? (Bienentanz)

Bienen kommunizieren über eine Kombination aus komplexen Tanzbewegungen, Duftstoffen und direktem Körperkontakt, um Informationen über Nahrungsquellen, Gefahren und den Zustand des Volkes auszutauschen. Der bekannteste Teil dieses Systems ist der sogenannte Schwänzeltanz, mit dem Sammelbienen ihren Stockgenossinnen die exakte Richtung und Entfernung einer Futterquelle mitteilen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Zoologe Karl von Frisch entdeckte die Bienentanzsprache bereits 1923 und erhielt dafür 1973 den Nobelpreis.
  • Beim Schwänzeltanz zeigt der Winkel des Laufs zur Senkrechten die Richtung zur Futterquelle relativ zum Sonnenstand an.
  • Die Dauer der Schwänzelphase codiert die Entfernung: etwa 75 Millisekunden Tanzzeit entsprechen 100 Metern Distanz.
  • Für nahe Futterquellen im Umkreis von 50 bis 100 Metern nutzen Bienen den einfacheren Rundtanz ohne Richtungsangabe.
  • Neben dem Tanz kommunizieren Bienen über Pheromone, etwa das Königinnenpheromon oder Alarmstoffe bei Gefahr.
  • Die Tanzsprache funktioniert im völlig dunklen Bienenstock, da die folgenden Bienen die Bewegungen ausschließlich durch direkten Körperkontakt wahrnehmen.

Der Schwänzeltanz als zentrales System

Kehrt eine Sammelbiene von einer erfolgreichen Futtersuche zum Stock zurück, kann sie über den Schwänzeltanz präzise Informationen über die Lage der Futterquelle an andere Bienen weitergeben. Dabei läuft sie auf der senkrecht hängenden Wabe ein Stück geradeaus, während sie ihren Hinterleib seitwärts vibrieren lässt, bis zu 15-mal pro Sekunde. Anschließend kehrt sie im Halbkreis zum Ausgangspunkt zurück, wiederholt die gerade Strecke und beschreibt danach einen Halbkreis zur anderen Seite, wodurch eine charakteristische Achterschleife entsteht.

Diese Choreographie enthält zwei entscheidende Informationen. Die Richtung der geraden Schwänzelstrecke relativ zur Senkrechten gibt den Winkel wieder, den die Flugrichtung zur Futterquelle mit dem aktuellen Sonnenstand bildet. Führt der Schwänzellauf beispielsweise genau nach oben, signalisiert dies den anderen Bienen, dass sich die Futterquelle in Richtung der Sonne befindet. Die Entfernung wird über die Dauer der Schwänzelphase codiert, wobei als grober Richtwert etwa 75 Millisekunden Tanzzeit pro 100 Meter Distanz gelten.

Rundtanz für nahe Ziele

Für Futterquellen in unmittelbarer Nähe des Stocks, etwa im Abstand von 50 bis 100 Metern, verwenden Bienen stattdessen den einfacheren Rundtanz. Bei dieser Tanzform bewegt sich die Biene in engen Kreisen, ohne dabei eine bestimmte Richtung anzuzeigen. Die anderen Bienen erhalten so lediglich die Information, dass sich eine ergiebige Nahrungsquelle irgendwo im näheren Umkreis des Stocks befindet, und müssen die genaue Position anschließend selbst durch Erkundungsflüge und Geruchssuche finden.

Der Übergang zwischen Rundtanz und Schwänzeltanz verläuft dabei nicht abrupt, sondern fließend, je nach zunehmender Entfernung der Futterquelle vom Stock.

Weitere codierte Informationen im Tanz

Neben Richtung und Entfernung übermittelt eine tanzende Biene noch zusätzliche Details über die gefundene Nahrungsquelle, die für die Entscheidung anderer Bienen entscheidend sind.

InformationWie sie übermittelt wird
Richtung zur FutterquelleWinkel des Schwänzellaufs zur Senkrechten, bezogen auf den Sonnenstand
Entfernung zur FutterquelleDauer der Schwänzelphase (ca. 75 ms pro 100 Meter)
Ergiebigkeit der QuelleIntensität und Wiederholungshäufigkeit des Tanzes
Art des RohstoffsGeruch und Geschmack, den die Tänzerin an ihrem Körper trägt

Je ergiebiger eine Futterquelle ist, desto energischer und häufiger wiederholt die Sammelbiene ihren Tanz, wodurch sich mehr Artgenossinnen für diese besonders lohnende Quelle entscheiden. Andere Bienen nehmen die Informationen auf, indem sie während des Tanzes engen Körperkontakt zur Tänzerin halten und deren Bewegungen sowie den mitgebrachten Duft direkt wahrnehmen.

Kommunikation über Pheromone

Neben der Tanzsprache spielt die chemische Kommunikation über Pheromone eine ebenso wichtige Rolle im Bienenstaat. Diese Duftstoffe werden von speziellen Drüsen produziert und erfüllen im Volk unterschiedliche Funktionen, die weit über die reine Futtersuche hinausgehen.

Das bekannteste Beispiel ist das Königinnenpheromon, das den Zusammenhalt des gesamten Volkes sichert und die Fruchtbarkeit der Arbeiterinnen unterdrückt, wie im Detail auch im Zusammenhang mit den Aufgaben der Bienenkönigin relevant wird. Wird eine Biene angegriffen oder fühlt sich das Volk bedroht, setzen Wächterbienen zusätzlich ein Alarmpheromon frei, das andere Arbeiterinnen zur Verteidigung mobilisiert und die allgemeine Stechbereitschaft im Stock erhöht. Auch beim Wabenbau, bei der Markierung von Futterquellen mit Duftspuren und bei der gegenseitigen Erkennung von Stockgenossinnen kommen spezifische Pheromone zum Einsatz.

Warum diese Kommunikation im Dunkeln funktioniert

Ein besonders faszinierender Aspekt der Bienensprache ist, dass sie vollständig im lichtlosen Inneren des Bienenstocks funktioniert, wo visuelle Signale gar nicht wahrgenommen werden könnten. Die folgenden Bienen „lesen“ den Tanz daher nicht mit den Augen, sondern ausschließlich durch direkten Körperkontakt, während sie sich eng an die Tänzerin anschmiegen und deren Bewegungen sowie erzeugte Vibrationen über ihre Antennen und Beine erfassen.

Neuere Forschungen mit Radartechnik haben zudem gezeigt, dass die durch den Tanz übermittelte Richtungs- und Entfernungsinformation von den folgenden Bienen in ihr räumliches Gedächtnis der Umgebung eingebettet wird. Dadurch können sie die Futterquelle nicht nur einmalig anfliegen, sondern sie später auch von völlig anderen Ausgangspunkten aus wiederfinden, was auf eine Art kartenähnliches Orientierungssystem im Gehirn der Bienen hindeutet.

Bedeutung für Imker und Bienenvölker

Für Imker in Deutschland ist das Verständnis der Bienenkommunikation nicht nur biologisch interessant, sondern hat auch praktische Relevanz. Ein intensives Tanzgeschehen an den Waben deutet auf eine ergiebige Tracht in der Umgebung hin, während ein plötzlicher Rückgang der Tanzaktivität oft ein Hinweis auf Trachtlücken oder Wetterprobleme ist. Auch bei der Vorbereitung eines Schwarms nutzen Bienen eine spezielle Form der Tanzkommunikation, um sich auf einen neuen Nistplatz zu einigen, den zuvor Kundschafterbienen erkundet und im Tanz beworben haben.

Die Entdeckung dieser komplexen Tanzsprache durch Karl von Frisch gilt bis heute als einer der bedeutendsten Beiträge zur Verhaltensbiologie und zeigt, wie hoch entwickelt die Kommunikation innerhalb eines Bienenstaates tatsächlich ist.

Häufig gestellte Fragen

Wer hat den Bienentanz entdeckt?

Der österreichische Zoologe Karl von Frisch entschlüsselte die Bedeutung des Bienentanzes ab den 1920er Jahren und veröffentlichte seine grundlegenden Erkenntnisse 1923. Für diese Forschung erhielt er 1973 gemeinsam mit zwei weiteren Verhaltensforschern den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.

Was ist der Unterschied zwischen Rundtanz und Schwänzeltanz?

Der Rundtanz zeigt lediglich an, dass sich eine Futterquelle im näheren Umkreis von 50 bis 100 Metern befindet, ohne eine genaue Richtung zu nennen. Der Schwänzeltanz hingegen übermittelt zusätzlich die exakte Richtung relativ zum Sonnenstand sowie die Entfernung über die Dauer der Tanzbewegung.

Wie zeigen Bienen die Richtung einer Futterquelle an?

Die Biene richtet den geraden Teil ihres Schwänzeltanzes auf der senkrechten Wabe in einem Winkel aus, der genau dem Winkel entspricht, den die Flugrichtung zur Futterquelle mit dem aktuellen Sonnenstand bildet. Andere Bienen übersetzen diesen Winkel dann in ihre eigene Flugrichtung, sobald sie den Stock verlassen.

Können Bienen auch ohne Tanz kommunizieren?

Ja, Bienen nutzen zusätzlich ein umfangreiches System aus Pheromonen, um beispielsweise Gefahr zu signalisieren, den Zusammenhalt des Volkes über das Königinnenpheromon zu sichern oder Futterquellen mit Duftmarkierungen zu kennzeichnen. Diese chemische Kommunikation ergänzt die visuell-taktile Tanzsprache um eine weitere wichtige Ebene.

Warum tanzen Bienen im dunklen Bienenstock?

Da im Inneren des Stocks kein Licht vorhanden ist, können die folgenden Bienen den Tanz nicht sehen, sondern nehmen die Bewegungen und Vibrationen ausschließlich durch engen Körperkontakt über ihre Antennen wahr. Dieses taktile System funktioniert zuverlässig auch in völliger Dunkelheit.

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