Die Anzahl der Bienen in einem Bienenstock schwankt im Laufe des Jahres erheblich und ist keine feste Zahl, sondern folgt einem klaren jahreszeitlichen Rhythmus. Ein gesundes Bienenvolk in Deutschland zählt im Winter nur rund 8.000 bis 15.000 Tiere, wächst aber bis zum Frühsommer auf bis zu 50.000 Bienen an.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Bienenvolk erreicht seine Höchststärke im Mai und Juni mit bis zu 50.000 bis 60.000 Bienen.
- Im Winter reduziert sich die Volksstärke auf etwa 8.000 bis 15.000 Winterbienen in der Wintertraube.
- Zusätzlich zu den Arbeiterinnen leben im Sommer bis zu 2.000 bis 3.000 Drohnen und eine einzige Königin im Stock.
- In der Hochsaison schlüpfen täglich bis zu 2.000 neue Jungbienen, während gleichzeitig ältere Sammelbienen sterben.
- Für eine sichere Überwinterung in Deutschland gelten mindestens 5.000 bis 8.000 Bienen als kritische Untergrenze.
- Imker schätzen die Volksstärke praktisch über die Anzahl besetzter Wabengassen, nicht durch Zählen einzelner Tiere.
Volksstärke im Jahresverlauf
Die Bienenpopulation in einem Stock ist kein statischer Wert, sondern verändert sich kontinuierlich mit den Jahreszeiten und der Verfügbarkeit von Nahrung. Im ausgehenden Winter, nach der Überwinterung als geschlossene Wintertraube, besteht ein durchschnittliches Volk in Deutschland aus nur noch 5.000 bis 13.000 Tieren. Sobald ab Februar und März wieder Brut aufgezogen wird und die Königin ihre Eiablage steigert, beginnt eine rasante Wachstumsphase.
Den Höhepunkt der Volksentwicklung erreichen starke Völker typischerweise im Mai und Juni, wenn die Bienenzahl auf 25.000 bis 60.000 Tiere ansteigt. In dieser Phase legt die Königin täglich bis zu 2.000 Eier, sodass ebenso viele Jungbienen pro Tag schlüpfen können. Ab dem Spätsommer, etwa ab August, sinkt die Legeleistung der Königin wieder deutlich, und das Volk bereitet sich durch die Aufzucht spezieller Winterbienen auf die kalte Jahreszeit vor.
Übersicht der Volksstärke nach Jahreszeit
| Jahreszeit | Anzahl Bienen | Besonderheit |
|---|---|---|
| Winter (Dez–Feb) | 8.000–15.000 | Wintertraube, keine oder kaum Brutpflege |
| Frühjahr (März–April) | 5.000–13.000 | Wachstumsphase beginnt nach Auswinterung |
| Frühsommer (Mai–Juni) | 25.000–60.000 | Höchststärke, Schwarmzeit möglich |
| Spätsommer (Juli–Aug) | 30.000–50.000 | Rückgang beginnt, Trachtende |
| Herbst (Sept–Nov) | 8.000–15.000 | Bildung der Winterbienen, Einwinterung |
Warum die Volksstärke so stark schwankt
Der drastische Unterschied zwischen Winter- und Sommerstärke hat einen klaren biologischen Grund: Ein großes Volk wäre im Winter nicht überlebensfähig, da es viel zu viel Futter verbrauchen und die Wärmeerzeugung in der Wintertraube ineffizient machen würde. Die im Herbst geschlüpften Winterbienen unterscheiden sich physiologisch von den kurzlebigen Sommerbienen und können bis zu sechs bis neun Monate alt werden, während eine Sommerbiene im Schnitt nur drei bis sechs Wochen lebt.
Im Sommer dagegen benötigt das Volk eine hohe Individuenzahl, um gleichzeitig Brutpflege, Wabenbau, Wachdienst und die intensive Sammeltätigkeit an Nektar und Pollen bewältigen zu können. Nur etwa ein Drittel der Bienen eines starken Sommervolkes ist tatsächlich als Sammelbiene unterwegs, während die übrigen zwei Drittel im Stock mit Brutpflege, Wabenbau und Versorgung der Königin beschäftigt sind.
Wie Imker die Volksstärke bestimmen
Da niemand einzelne Bienen in einem Volk von mehreren Zehntausend Tieren zählen kann, verwenden Imker in Deutschland praktische Schätzverfahren, um die Stärke eines Volkes einzuordnen. Die gebräuchlichste Methode ist die Beurteilung nach besetzten Wabengassen im Zandermaß, wobei eine beidseitig dicht mit Bienen besetzte Gasse etwa 1.000 Tiere entspricht.
- Den Bienenstock vorsichtig öffnen und die Zargen in umgekehrter Reihenfolge absetzen.
- Jede Wabengasse einzeln betrachten und den Bienenbesatz auf beiden Seiten abschätzen.
- Bei Bedarf einen sogenannten Liebefelder Schätzrahmen mit acht Feldern auflegen, um Bienen, Brut und Futter systematisch zu erfassen.
- Die Einzelwerte aller Wabengassen addieren, um die geschätzte Gesamtstärke des Volkes zu ermitteln.
- Bei Dadant-Beuten die ermittelten Werte mit dem Faktor 1,4 multiplizieren, da diese Rahmen größer sind als Zandermaß.
Diese Schätzung ist besonders im Herbst vor der Einwinterung entscheidend, da ein Volk mit weniger als 5.000 Bienen ein hohes Risiko hat, den Winter nicht zu überstehen.
Zusammensetzung des Bienenvolkes
Neben der reinen Gesamtzahl ist auch die Verteilung der drei Bienenkasten im Stock relevant, um die Gesundheit eines Volkes richtig einzuschätzen. Den weit überwiegenden Anteil stellen dabei stets die weiblichen Arbeiterinnen, die sämtliche Aufgaben von Brutpflege bis Sammeltätigkeit übernehmen. Die Drohnen, deren einzige Aufgabe die Paarung mit einer jungen Königin ist, machen in der Hochsaison etwa 1.000 bis 3.000 Tiere aus und werden im Herbst meist aus dem Volk vertrieben. Die Königin selbst ist als einziges fortpflanzungsfähiges Weibchen immer nur ein einziges Tier im gesamten Stock, das jedoch für die gesamte Nachkommenschaft verantwortlich ist.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Bienen leben im Winter in einem Stock?
Im Winter reduziert sich ein Bienenvolk in Deutschland typischerweise auf 8.000 bis 15.000 Tiere, die sich in der sogenannten Wintertraube zusammendrängen. Diese reduzierte Anzahl reicht aus, um durch gemeinsames Muskelzittern eine Kerntemperatur von etwa 20 bis 25 Grad Celsius zu halten.
Wie viele Bienen leben im Sommer in einem Stock?
Zum Höhepunkt der Volksentwicklung im Mai und Juni kann ein starkes Volk 50.000 bis 60.000 Bienen umfassen. Diese hohe Zahl wird benötigt, um gleichzeitig die Brutpflege, den Wabenbau und die intensive Sammeltätigkeit während der Haupttracht zu bewältigen.
Wie viele Bienen braucht ein Volk zum Überwintern?
Für eine sichere Überwinterung in Deutschland gelten mindestens 5.000 bis 8.000 Bienen als Untergrenze, wobei 10.000 bis 15.000 Tiere als deutlich sicherer angesehen werden. Volksstärken darunter bergen ein hohes Risiko, dass das Volk die kalte Jahreszeit nicht überlebt.
Wie zählt man die Bienen in einem Bienenstock?
Imker zählen keine einzelnen Bienen, sondern schätzen die Volksstärke über die Anzahl beidseitig besetzter Wabengassen, wobei eine volle Gasse im Zandermaß etwa 1.000 Bienen entspricht. Für eine genauere Einschätzung kommt oft ein Liebefelder Schätzrahmen zum Einsatz.
Wie viele Drohnen leben in einem Bienenvolk?
In der Hochsaison zwischen Frühling und Sommer leben etwa 1.000 bis 3.000 Drohnen in einem starken Volk. Im Herbst werden sie von den Arbeiterinnen aus dem Stock vertrieben, da sie über den Winter keine Nahrung mehr erhalten und keine Funktion mehr erfüllen.